Freitag, 29. Mai 2020

Über das Klopfen an der Tür und das selbstverschuldete Ausbremsen

Es ist schon mindestens drei Jahre her, da klopfte eine Idee zu einer neuen Geschichte an. Ich öffnete vorerst nicht die Türe, da es nur eine Grundidee war, ohne weitere Gedankensplitter, die ich wie Puzzleteile, hätte zusammensetzten können. Doch so einfach ließ sie sich nicht abschütteln und es klopfte immer wieder und immer lauter. Ich gab auf und öffnete die Eingangstür einen Spaltbreit. Es hüpfte herein und überredete mich eine Kurzgeschichte zu schreiben. 

Der erste Versuch kam auf ganz genau fünf lächerliche Seiten, die ich nach einer Weile löschte. Ich legte sie nicht die Schublade, so wie ich die meisten Dinge sammle, die durch meine Feder entstanden sind – auch wenn sie ein Desaster geworden waren. Aber diese Idee so miserabel umzusetzen ging gar nicht. Ich machte eine Pause und begann von Neuem. Der nächste Start umfasste zwei Normseiten bevor sie, wie der Vorgänger auf Nimmerwiedersehen verschwanden. Ich gab auf und machte einen Haken an das Projekt, nur war es da selbst ganz anderer Meinung. Ein neuer Versuch kam für mich nicht in Frage, aber ich ließ die Idee im Kopf reifen und das war eine gute Entscheidung. Es dauerte eine Weile, doch dann wusste ich, was ich zu tun hatte: Einen Roman schreiben mit genau dieser Grundidee aber einem neuen Ablauf. 

Ein Notizbuch, ein Stift, ein ruhiger Ort und der detaillierte Plot für Teil 1 des Buches entstand. 
Ein Plot, wie ich ihn nie zuvor geschrieben hatte. Geplant bis ins kleinste Detail. Ich dachte, ich müsste das so arbeiten, da mir die Zeit und Möglichkeiten für kontinuierliches Schreiben fehlen würde, und es fatal wäre, mich zu verzetteln. Denn wieder aufgeben wie bei meiner Korsarin oder dem Silbernen Berg stand nicht zur Auswahl. 

Ich schrieb streng nach meinen eigenen Vorgaben und musste die Protagonisten zwischenzeitlich zurück auf den Roten Faden setzten, wenn sie sich ohne meine Zustimmung davon entfernten. Das war anstrengend und machte wenig Spaß, das merkte ich bereits am Anfang. Doch ich arbeitete weiter. So ist es richtig ... Oder?
Bildquelle: Pexels
Aber schon kurz nach der Hälfte des ersten Buchteils, begann jede Seite sich mehr und mehr zu ziehen. Die Finger flogen weniger leicht über die Tastatur und oft, konnte ich mich nicht aufraffen, freie Zeit fürs Schreiben zu »opfern«. So entstanden immer längere und häufigere Pausen, die dazu führten, dass ich mich vom Skript distanzierte und keinen Anschluss fand sobald ich mich doch dran arbeiten wollte. Schnell war der Laptop zugeklappt und das Gefühl von »Versagen am Roman« trat mal wieder mit ganzer Kraft zum Vorschein getreten.

Pause
Lange. Viel zu lange.

Ein Wiedereinstieg warum? Ich weiß es nicht. Vermutlich diese noch immer in meinem Kopf und Herz fest gepflanzte Geschichte, die nicht aufhörte zu klopfen.
Und dann las ich Stephen King: Vom Leben und das Schreiben. Es ist ein autobiografisches Werk, indem er auf sein Handwerk: Schreiben und seine persönlichen Methoden eingeht. Ich bin kein großer King Fan, aber dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen, auch wenn ich nicht immer mit ihm einer Meinung war. Überrascht hat mich: King plottet nicht! Er gräbt, wie er selbst sagt, Fossilien aus. Er hat einen Anfangsgedanken und dann schreibt es los.
Das hat mich das wachgerüttelt.
Warum arbeite ich nicht nach meiner eigenen Methode? 
Warum soll ich intensiv Plotten und an jeden Wendepunkt usw. festhalten, wenn es mich in meiner Kreativität und Motivation ausbremst? 

Ganz ohne Planung geht es aber auch bei mir nicht! Einfach blind drauf los schreiben – nein. Ich werde auch in Zukunft plotten, aber auf meine eigene Art und Weise: Ein Grundgerüst aufbauen, Wendepunkte einbauen, vorab Konflikte überlegen usw. aber einige, große Lücken freilassen, in die ich neue, teils aus der Situation der Geschichte geschuldete Szenen einfügen kann. 
Ich hatte mich zu sehr in ein "Muss" verstrickt und mich selbst ausgebremst.

Mit dieser persönlichen Erkenntnis fand ich wieder zum Skript und zur Freude, die mir das Geschichtenerfinden bringt. Und siehe da, Teil 2 des Buches schrieb sich viel entspannter als Teil 1. Auf diese eigene Art und Weise arbeite ich nun weiter und ich weiß, es wird gut werden.

Eure Feder 


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