Donnerstag, 29. November 2018

Das Ding mit dem Plotten (Mama schreibt IV.)

In einem Zitat von Mark Twain heißt es:
"Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen."
Alleine das mit dem Weglassen der falschen Wörter ist nicht gerade leicht. Aber Schreiben ist meiner Meinung nach noch viel mehr und noch viel schwerer.


Ohne Plan


Meine allerersten Geschichten habe ich ohne Konzept geschrieben. Ich hatte meine Ideen komplett freien Lauf gelassen und drauflos geschrieben. Ein Hosenbodenschreiber war ich also. Hört sich doch gar nicht so schlecht an, wenn man bedenkt dass einige Autoren mit großen Namen ebenfalls so arbeiten. Ein Beispiel ist Lee Child (Jack Reacher-Romane). Auch George R. R. Martin soll einer von diesen Schreibern sein, ebenso Stephen King. Wobei ich mir das überhaupt nicht vorstellen kann bei einem Werk wie "Das Lied von Eis und Feuer". Sie gehen von einer anregenden Ausgangssituation aus und der eigentliche Verlauf ergibt sich mit dem Schreiben. Herrlich. So will ich das auch machen können. So würde es mir am meisten Spaß machen, doch so geht es einfach nicht mehr.


Doch was ist überhaupt Plotten?

Da ich weiß, dass einige Leute mitlesen, die nicht so in der Materie verankert sind, möchte ich kurz darauf zu sprechen / schreiben kommen ;)
Beim literarischen Plotten (aus dem Englischen = Plan) ist natürlich nicht der Kurvenschreiber, also das technische Gerät gemeint, sondern der Grundriss, das Gerüst der Geschichte. Der Plot konzentriert sich auf die schlüssige Verknüpfung von Geschehnissen der Geschichte. Er ist in erster Linie für den Autor wichtig, nicht für den Leser. Der Autor plant Charaktere, Orte, Verwicklungen, Erklärungen, Spannungsbogen und alles, was sonst noch dazu gehört.

Ich selbst bin kein großer Fan von dieser Arbeit. Bei neuen Ideen kribbelt es viel zu sehr in den Fingern. Schreiben möchte ich und nicht erst jede Einzelheit planen, was bei mir eh schief gehen würde. Denn oft genug ist es schon vorgekommen, dass die Charaktere mir den Mittelfinger zeigen und ihren eigenen Weg gehen. Und ich bin ehrlich gesagt, nicht stark genug sie auf ihren eigentlichen Weg zurückzudrängen.


Ganz am Anfang

Aktuell stehe ich wieder ganz am Anfang. Am Anfang eines neuen Romans. Eine Idee hat mich gefesselt. Ein ähnliches Gefühl hatte ich das letzte Mal beim Schreiben der Engeldatei (Dastan) und das ist lange her. Vieles hat sich geändert. Ich bin mittlerweile Zweifachmama und meine Zeit zum Schreiben ist geschrumpft. Für ein neues Romanskript musste ich mir also etwas Neues einfallen lassen, dass mir hilft, auch nach ein paar Tagen Schreibabstinenz problemlos und stressfrei die Arbeit fortsetzen zu können. Denn nichts ist schlimmer als nicht mehr richtig ins Skript zurückzufinden bzw. 100 Seiten erst noch einmal durchlesen zu müssen, bevor es weitergehen kann.

Dastan: Rebellion der Engel und auch die die Hexe von Crumbach wurden geplottet. Gerade bei Dastan, wo es mehrere Welten gibt, war es für mich unumgänglich. Aber ich habe es kurz und knapp gehalten, um genau wie oben erwähnt, die Geschichte größtenteils beim Schreiben entstehen zu lassen. Das funktioniert jetzt nicht mehr. Also doch akribisch planen? Nein, keinesfalls, das geht in die Hose.


Auf die eigene Federart


Sobald die Gedankensplitter zu einer großen Idee herangereift waren und der Kernkonflikt stand, erarbeitete ich mir meine Figuren und grob meine Settings. Danach baute ich mir das Grundgerüst und den ungefähren Kapitelplan auf. Einzelne Szenen notierte bzw. notiere ich, jedoch nicht jeden Wortwechsel. Die ersten Kapitel sind strenger geplant als die darauf folgenden, was mir den Einstieg ins Skript einfacher machen soll. Danach geht es locker weiter, damit sich die Geschichte mit der Rohfassung entwickeln kann.

Wie überall gibt es auch hier Vor- und Nachteile. Beim Nichtplotten ist die Story natürlich frei beweglich in all erdenklichen Richtungen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, jedoch kann man sich auch verdammt einfach verzetteln und sich damit unglaublich viel Arbeit machen. Es gibt viele verschiedene Plot-Werkzeuge und Methoden, doch alleine diese zu lernen und danach haargenau zu gehen ist mir zu anstrengend und ich bin dazu viel zu ungeduldig.


So starte ich nun mit meiner eigenen Strategie in eine aufregende Schreibzeit: