Dienstag, 11. September 2018

Die Absage (Mama schreibt III.)


Dieses verrückte Gefühl, den Stift in die Hand nehmen und loszuschreiben zu müssen

Endlich spüre ich wieder dieses Kribbeln in den Fingerspitzen. Dieses verrückte Gefühl, den Stift in die Hand nehmen und loszuschreiben zu müssen. Oder auch die Tastatur des Laptops zum Brennen zu bringen – egal! Da ist sie wieder, diese Motivation etwas anzupacken, Figuren Leben einzuhauchen und sie in ein Abenteuer zu schicken. Grund dafür war eine Ausschreibung mit dem historischen Thema: "Pest".
Da bist du dabei, sagte ich mir und fing (leider viel zu spät) mit der Arbeit an. Eine ganze Weile dauerte es, bis die Geschichte richtig Form angenommen hatte und ich damit einigermaßen zufrieden gewesen war. Dementsprechend mussten meine Betaleser Gas geben, denn die Deadline rückte näher. Und was soll ich sagen, sie taten es. Ich habe einfach die besten Betas der Welt :)
Einen Tag vor Einsendeschluss schickte ich dann meine Kurzgeschichte auf den Weg zum Verlag.

Einen Monat später:

Plöp
Eine neue Mail im Postfach
Ein bekannter Absender!

Da ist etwas Aufregung dabei, auch nach all den Jahren, in denen ich schon meine Beiträge einreiche. Doch schon als ich mich an den Schreibtisch setzte, um die Mail zu öffnen, hatte ich ein ungutes Gefühl und dann las ich es Schwarz auf Weiß:

»[...] leider hat es nicht geklappt.«


Autsch!




Ich bin aus der Übung

Gibt es Autoren, deren Werke immer angenommen werden? Egal ob Kurzgeschichte oder Roman? Gibt es diese Glückspilze, die alles, was sie schreiben veröffentlichen? Gibt es diese Schriftsteller, die niemals eine Absage bekommen haben? Ich bin der Meinung: Nein!
Doch wie mit einer Absage umgehen? Wie damit zurechtkommen, wenn es doch der größte Wunsch war, bei genau diesem Verlag unterzubekommen? Tja, gute Frage. Das macht jeder auf seine eigene Art und Weise.

Meine Kurzgeschichte (die erste nach langer Pause) hat es also nicht geschafft veröffentlicht zu werden. Na klar war ich ein enttäuscht, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mit einer Absage gerechnet habe. Ich habe lange nicht richtig geschrieben, habe lange bei keiner Ausschreibung mitgemacht, ich bin definitiv aus der Übung. Und das Endergebnis war keines meiner besten Werke ;)

Seit meiner ersten Veröffentlichung 2011, habe ich immer wieder Geschichten bei Verlagen eingereicht und seitdem mehr Zusagen als Absagen erhalten. Meine erste, speziell für eine Ausschreibung geschriebene Kurzgeschichte wurde angenommen. Meine allerste historische Geschichte wurde in einer Anthologie veröffentlicht. Darauf folgten weitere Veröffentlichungen von Kurzgeschichten bei verschiedenen Verlagen. Mein erster eingereichter Roman bekam erst eine Absage, der zweite Verlag schickte mir einen Vertrag. Ich darf mich wirklich nicht beschweren.

Ich bin schon immer mit Absagen gut klar gekommen. Nur einmal war ich schwer getroffen, weil ich von der Geschichte sehr überzeugt war und wusste, dass sie zwischen zwei Buchdeckeln gehört. Umso schlimmer war es dann noch, dass die Absage von einem Verlag kam, der mir wirklich sehr am Herzen liegt. Doch nach der anfänglichen Trauerzeit, überarbeitete ich die Geschichte, baute sie aus und konnte sie tatsächlich in vertrauensvolle Hände geben, wo sie seit 2015 ein zu Hause hat.


[...] der Verlag, mit seiner Ausschreibung, hat mich wieder zum Schreiben gebracht

Man kann sich also wirklich nie sicher sein, wozu ein "Nein" vielleicht sogar gut ist.

Nein, eine Absage ist kein Untergang, weder bei kurzen noch langen Projekten. Die meisten erfolgreichen Autoren sind auf Ablehnung gestoßen, bevor es so richtig losging. Und manchmal kann aus solchen Enttäuschungen noch etwas ganz Großes werden. Man denke an J. K. Rowling, Stephen King, C.S. Lewis u.v.a.

Was hat die Absage des Verlags mir gebracht?

Erst einmal hat der Verlag, mit seiner Ausschreibung, mich wieder dazu gebracht den todmüden Mamahintern abends von der Couch an den Schreibtisch zu bringen und überhaupt zu schreiben! Das alleine war es schon wert abgelehnt zu werden ;) Dann natürlich die eigentliche Absage: Sie hat mich eher angestachelt, wieder loszulegen, und so gut es geht, so wie es mir die Zeit mit den Kids und dem aktuellen Leben ermöglicht, meinen Weg als Autorin wieder aufzunehmen und Spuren zu hinterlassen.


Eure Feder