Montag, 22. Oktober 2018

Schreiben ist fast wie atmen

Die Zeit rinnt wie Sand durch die Finger.
Beinahe unheimlich ist das Tempo, das das Leben gerade vorgibt.
Wo willst du so schnell eigentlich hin?
Lass uns doch verschnaufen, lass uns rasten und genießen.
Oktober! Wir haben schon Oktober!
In den Läden stehen längst Lebkuchen, Spekulatius und der kunterbunte Christbaumschmuck. Dabei habe ich doch erst vor einiger Zeit die Weihnachtsdekoration zurück in den Keller geräumt. Der Sommer war lang und intensiv und doch hat er erst vor kurzem so richtig durchgestartet oder nicht?

Noch vor einigen Wochen war ich kurz davor das Schreiben gänzlich aufzugeben. Wozu an einem Traum festhalten, den ich niemals verwirklichen kann? Mit dem Aufgeben verlor ich meine Welt. Mein privates Wunderland. Ich fühlte mich fremd und nicht mehr zugehörig. Das tat weh. Nach einer ganzen Weile mit vielen Gesprächen und vor allem mit vielen Achterbahngedankenfahrten wurde mir wieder bewusst:

"Schreiben ist "fast" wie Atmen, man sollte damit niemals aufhören, wenn der Quell erst mal aus eigenem Brunnen fließt." © Cornelia Gutzeit
Ich war total unausgeglichen, ständig traurig und motivationslos. So konnte das nicht weitergehen. Ich zwang mich zu schreiben. Nutzte endlich freie Minuten aus. Ich schrieb mir sozusagen alles von der Seele. Seit ich das mache, geht es mir viel besser. Ich habe nun verstanden, dass es das Schreibens selbst ist, dass ich brauche.
Ja, wirklich, ich saß da und wollte aufgeben. Und nun? Nun sitze ich hier, in meinem Schreibzimmer und lasse eine neue Romanidee reifen, die ein Gefühl hervorruft, dass ich das letzte Mal beim Schreiben meiner Engel gespürt hatte. Ein sehr gutes Zeichen! Und ein Ziel, dass ich nicht aus den Augen verlieren möchte.
Vielleicht gab auch der diesjährige Buchmesseconvent einen Schub Motivation. Im vergangnen Jahr noch ordentlich in die Tiefe gerrissen, dieses Jahr ein kleiner Tritt in den Hintern. Es kommt wirklich oft darauf an, mit welcher Einstellung man an etwas herangeht. Und da die Zeit tatsächlich wie Sand durch unsere Finger rieselt, mache ich nun an dieser Stelle hier Schluss und wende mich wieder meinem Gedankensplittern zum neuen Romanprojekt zu. :-)



Und schaut doch mal unter den Veröffentlichungen "Anthologien" vorbei. Es gibt eine neue Geschichte von mir zu lesen.

"Der Himmel glühte in geleißender Farbe. Noch nie hatte ich etwas Helleres als dieses Licht gesehen. Meine Augen schmerzten. Ich presste die Lider zusammen und hörte die Menschen schreiend durch die Straßen laufen. [...] Auch blieb ich reglos, als ein Monster aus Metall sich zu uns hinunterbeugte und das Bein meiner Schwester packte. Sie rissen sie mir aus den Armen [...]"

(Auszug: Calysta Lock 2302, Wasserstoffbrennen, Amrun Verlag)


Dienstag, 11. September 2018

Die Absage (Mama schreibt III.)


Dieses verrückte Gefühl, den Stift in die Hand nehmen und loszuschreiben zu müssen

Endlich spüre ich wieder dieses Kribbeln in den Fingerspitzen. Dieses verrückte Gefühl, den Stift in die Hand nehmen und loszuschreiben zu müssen. Oder auch die Tastatur des Laptops zum Brennen zu bringen – egal! Da ist sie wieder, diese Motivation etwas anzupacken, Figuren Leben einzuhauchen und sie in ein Abenteuer zu schicken. Grund dafür war eine Ausschreibung mit dem historischen Thema: "Pest".
Da bist du dabei, sagte ich mir und fing (leider viel zu spät) mit der Arbeit an. Eine ganze Weile dauerte es, bis die Geschichte richtig Form angenommen hatte und ich damit einigermaßen zufrieden gewesen war. Dementsprechend mussten meine Betaleser Gas geben, denn die Deadline rückte näher. Und was soll ich sagen, sie taten es. Ich habe einfach die besten Betas der Welt :)
Einen Tag vor Einsendeschluss schickte ich dann meine Kurzgeschichte auf den Weg zum Verlag.

Einen Monat später:

Plöp
Eine neue Mail im Postfach
Ein bekannter Absender!

Da ist etwas Aufregung dabei, auch nach all den Jahren, in denen ich schon meine Beiträge einreiche. Doch schon als ich mich an den Schreibtisch setzte, um die Mail zu öffnen, hatte ich ein ungutes Gefühl und dann las ich es Schwarz auf Weiß:

»[...] leider hat es nicht geklappt.«


Autsch!




Ich bin aus der Übung

Gibt es Autoren, deren Werke immer angenommen werden? Egal ob Kurzgeschichte oder Roman? Gibt es diese Glückspilze, die alles, was sie schreiben veröffentlichen? Gibt es diese Schriftsteller, die niemals eine Absage bekommen haben? Ich bin der Meinung: Nein!
Doch wie mit einer Absage umgehen? Wie damit zurechtkommen, wenn es doch der größte Wunsch war, bei genau diesem Verlag unterzubekommen? Tja, gute Frage. Das macht jeder auf seine eigene Art und Weise.

Meine Kurzgeschichte (die erste nach langer Pause) hat es also nicht geschafft veröffentlicht zu werden. Na klar war ich ein enttäuscht, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mit einer Absage gerechnet habe. Ich habe lange nicht richtig geschrieben, habe lange bei keiner Ausschreibung mitgemacht, ich bin definitiv aus der Übung. Und das Endergebnis war keines meiner besten Werke ;)

Seit meiner ersten Veröffentlichung 2011, habe ich immer wieder Geschichten bei Verlagen eingereicht und seitdem mehr Zusagen als Absagen erhalten. Meine erste, speziell für eine Ausschreibung geschriebene Kurzgeschichte wurde angenommen. Meine allerste historische Geschichte wurde in einer Anthologie veröffentlicht. Darauf folgten weitere Veröffentlichungen von Kurzgeschichten bei verschiedenen Verlagen. Mein erster eingereichter Roman bekam erst eine Absage, der zweite Verlag schickte mir einen Vertrag. Ich darf mich wirklich nicht beschweren.

Ich bin schon immer mit Absagen gut klar gekommen. Nur einmal war ich schwer getroffen, weil ich von der Geschichte sehr überzeugt war und wusste, dass sie zwischen zwei Buchdeckeln gehört. Umso schlimmer war es dann noch, dass die Absage von einem Verlag kam, der mir wirklich sehr am Herzen liegt. Doch nach der anfänglichen Trauerzeit, überarbeitete ich die Geschichte, baute sie aus und konnte sie tatsächlich in vertrauensvolle Hände geben, wo sie seit 2015 ein zu Hause hat.


[...] der Verlag, mit seiner Ausschreibung, hat mich wieder zum Schreiben gebracht

Man kann sich also wirklich nie sicher sein, wozu ein "Nein" vielleicht sogar gut ist.

Nein, eine Absage ist kein Untergang, weder bei kurzen noch langen Projekten. Die meisten erfolgreichen Autoren sind auf Ablehnung gestoßen, bevor es so richtig losging. Und manchmal kann aus solchen Enttäuschungen noch etwas ganz Großes werden. Man denke an J. K. Rowling, Stephen King, C.S. Lewis u.v.a.

Was hat die Absage des Verlags mir gebracht?

Erst einmal hat der Verlag, mit seiner Ausschreibung, mich wieder dazu gebracht den todmüden Mamahintern abends von der Couch an den Schreibtisch zu bringen und überhaupt zu schreiben! Das alleine war es schon wert abgelehnt zu werden ;) Dann natürlich die eigentliche Absage: Sie hat mich eher angestachelt, wieder loszulegen, und so gut es geht, so wie es mir die Zeit mit den Kids und dem aktuellen Leben ermöglicht, meinen Weg als Autorin wieder aufzunehmen und Spuren zu hinterlassen.


Eure Feder









Freitag, 31. August 2018

Der Kalender kennt kein Zahnen (Mama schreibt II.)

[Werbung] --- Sicher ist sicher, nicht wahr? ;-)

Es ist Dienstag, kurz nach vierzehn Uhr. Um diese Zeit trifft man mich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Stadtbücherei meiner Heimatstadt. Seit nun ca. 7 Monaten ist das ein Ritual, nachdem der Flaum und ich die Daune vom Kindergarten abgeholt haben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich auch diesem Teil des Alltags mit Kindern mit Lockerheit entgegengesehen habe. Doch mittlerweile, ist die Daune sehr selbstständig, gibt seine Bücher ab und weiß genau wo er hinmuss und wie er sich dort zu verhalten hat.

 So muss ich mich im Grunde nur um das Wuselmädchen kümmern. Doch auch das das Mädchen weiß bereits, wo die Kiste mit den Kleinkinderbüchern steht und krabbelt jauchzend darauf zu. So sitzen zumindest in den ersten zwanzig Minuten die Kinder vor ihren Büchern und schmökern, turnen auf der Leseinsel herum oder spielen mit den dort bereitgestellten Bausteinen. Ich nutze die Zeit, nehme mein Notizbuch und einen Stift heraus und beginne ein paar Gedankensplitter zu meinen Geschichten oder einem Beitrag niederzuschreiben. Dann aber ist es soweit: Das Babymädchen kommt gekrabbelt und reißt mir den Stift aus der Hand. Auch der große Bruder ist plötzlich da, »Mama, kann ich mal bei den Tierbüchern da hinten gucken? Und Mama, liest du mir jetzt etwas vor?« Ich merke, wie meine Gedanken mal wieder ihr eigenes Ding drehen. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich keine Kinder hätte. Nach der Arbeit würde ich mich hierher zurückziehen, zwischen all diese Bücher, ihren Duft einatmen und an einem Roman arbeiten. Ja, dies wäre mittlerweile für mich ein toller Ort zum Schreiben und ... »Mama, guck mal. Das da bitte vorlesen!«
*** Puff***

Nehme ich mir die Zeit selbst ein wenig zu stöbern, freue ich mich über bekannte Namen und Freunde deren Bücher hier ein zu Hause gefunden haben. Auch meine eigenen Bücher (Dastan: Rebellion der Engel und das Todesmal) können hier ausgeliehen werden.


Schreib! Jetzt!

Es ist eine Herausforderung im Alltag mit zwei kleinen Kindern zu schreiben. Auch mit viel Organisation ist das alles andere als einfach. Mein Schreibkalender sagt mir zwar, dass heute Abend die neue Kurzgeschichte geplottet werden soll, doch berücksichtigt er nicht das zahnende Kind, das Mamas volle Aufmerksamkeit, Trost und Körpernähe benötigt oder den großen Bruder, der dringend noch eine Kuschelrunde zum Einschlafen wünscht. Nachdem der Große mir noch einmal um den Hals gefallen und die Kleine schluchzend im Arm eingeschlafen ist, streiche ich in Gedanken die geplante Schreibzeit aus dem Kalender und hoffe, auf einen darauffolgenden Abend.


***

Der Junge ist im Kindergarten, das Mädchen schläft. Jetzt wäre Zeit.
Ein Kaffee, eine Kerze, das Notizbuch, Musik, der Laptop und ich.
Jetzt ist der Moment. Ich beginne, doch ...
Wieder kreisen meine Gedanken. Denke an manches das war, was ich hatte, denke an das was mir bevorsteht, was vielleicht noch kommt. Denke an meine Träume. An diesen einen bestimmten, den ich mich nicht traue anzupacken, da er zum Scheitern verurteilt ist und so, bleiben die Finger schwer auf der Tastatur liegen. Ich stehe auf, hole mir ein Glas Wasser, das ich in einem Zug leere. Tief atme ich ein und aus. Konzentriere mich ganz still auf die Musik im Hintergrund.


Jetzt ist Zeit!

»Wir starrten uns an. Er und ich.
Für einen kurzen Augenblick schien es, als würden unsere Seelen miteinander verschmelzen. Seine Augen, groß und blau wie der Ozean und voller Leid gefüllt. Mit nur einem einzigen Blick hatte der Junge mich innerlich so aufgewühlt, dass ich alles um mich herum vergaß. Langsam, Schritt für Schritt, trat er auf mich zu. Je näher er kam, desto intensiver nahm ich seinen Schmerz wahr. Es war mir nicht möglich, ihn zu beschreiben. Mein Magen verkrampfte sich. Übelkeit kroch in mir empor. Auf einmal legte der Junge seine rechte Hand [...]«. (Auszug aus: Hinter Glas)

Ein Jammern aus dem oberen Stockwerk ...
Mein Mädchen ist wach.
Keine Zeit mehr!
Ungenutzt.
Ich ärgere mich über mich selbst.

Doch erstmal schmilzt mein Mamaherz. Der Flaum strahlt mich an und reckt die Arme. 

Eure Feder