Freitag, 10. Januar 2020

Mein Start ins Schreibjahr 2020 mit Papyrus Autor und Azurum

Passend zu Weihnachten erreichte mich eine Mail, über die ich im ersten Augenblick nicht glücklich war. Eine neue, mit vielen Veränderungen bestückte Version des Schreibprogramms, mit dem ich bereits seit 11 Jahren arbeite, ist auf dem Markt! Verflucht!  
Alles Geschenke waren schon geplant / besorgt und der Preis ... Sind wir mal ehrlich – da muss man mal kräftig durchschnaufen! Anstatt den Laptop zu schließen und die Sache zu vergessen öffnete ich die Homepage von PA und las mir die Neuerungen und Veränderungen durch. Tja, das war es dann. Mein Mann erkannte meine innerlichen Qualen und nahm mir freundlicherweise die Entscheidung ab. Jippi! Ich liebe Weihnachten! DANKE! 

Nun bin ich also seit 16 Tagen glückliche Nutzerin des top aktuellen Schreibprogramms für Autoren. 
Was mich natürlich unter Druck setzt. Hallo? Wer sich für PA10 entschieden hat, sollte jetzt auch etwas leisten.

Mein neues Romanmanuskript lag seit Ende August / Anfang September auf Eis. Warum? Fehlende Motivation oder Zeit? Emotionale Tiefs und riesengroße Zweifel an meiner Leistung? 
Hm ... Vielleicht von allem Etwas. Ein dazu passender Artikel, wird demnächst auf meinem Blog »Mama mit Feder« zu lesen sein. Hier mache ich es eher kurz: Die Geschichte über das Blau muss geschrieben werden und das neue PA sowie der Jahreswechs
el sind eine große Motivation.

So begebe ich mich nun wieder in das dramatische Abenteuer der Geschwister Bea und Josh und springe mit einem großen Satz in das wabernde Blau.

Eure Feder

Freitag, 3. Januar 2020

Elian und der Geist des ersten Jahres


Hallo und noch ein frohes neues Jahr euch allen! 
Ich hoffe natürlich, ihr seid wohlbehalten in das neue Jahr gestartet.
Zum Beginn meines neuen Schreibjahres dachte ich, ich starte direkt mit einer kleinen Kurzgeschichte, um wieder in den „Flow“ zu kommen. Und diese Geschichte möchte ich nun mit euch teilen. Herausgekommen ist das Aufeinandertreffen zwischen einem Menschen und einem ganz speziellen Geist:


Zur besseren Lesbarkeit hier als PDF




Elian und der Geist des ersten Jahres

Die Zeit war stehengeblieben.
Nur der Schein weniger Straßenlaternen durchflutete den dunklen Flur des verlassenen Gebäudes, während das Jahr sich dem Ende neigte.
Ich hätte nicht hier sein dürfen.
Heimlich war ich durch das zerbrochene Fenster der alten Fabrikhalle geklettert und hatte mich an die Wand gekauert. Heute war mein 18ter Geburtstag und der letzte Tag des Jahres. Alle waren sie glücklich. In Kürze würden alle jubeln und mit bunten Lichtern und Feuerspielen das neue Jahr begrüßen. Ich aber, ich rannte davon. Vor mir selbst. Vor dem, was mich heute erwarten würde.
Seit je her glaubte meine Familie an die Dämonen der Erdjahre. Geister, deren Aufgabe es war, die Menschen durch das Jahr zu begleiten und ihr Schicksal zu lenken, sobald sie das achtzehnte Lebensjahr vollendet hatten, denn vorher galt man als Kind und die Seele der Kinder ist nicht zu beeinflussen.
Am 18ten Geburtstag, so glaubten wir seit Generationen, komme der Geist des ersten Erwachsenenjahres über uns. Ein einziges Mal dürften wir ihn sehen, ihn kennenlernen und ihm offenbaren, was wir uns für unser zukünftiges Leben wünschen. Nur die rechtschaffensten und bescheidensten Zukunftspläne würden anerkannt und mit Hilfe der Geister verwirklicht werden.
Der erste Dämon ist der Beginn von allem und in jedem Jahr begleitet ein anderer Geist den Weg und mit jedem Jahr wird er strenger werden, um die Wünsche – das Schicksal – zu erreichen.
Doch wessen Wünsche waren es? Nicht die meinen.
Sie standen auf einem Zettel geschrieben, den ich heute um genau 00:00 Uhr meinem ersten Dämon überreichen müsste. Er war in meiner Handschrift verfasst, doch nicht durch mein Herz geschrieben worden. Es waren Vaters und Mutters Pläne für ihren einzigen Sohn.
Nein, ich wollte dem Geist meines ersten Jahres nicht begegnen.
Ich wollte ihm nicht die eisernen und vernünftigen Zukunftspläne eines anderen für mich übergeben.
„Ich will mein Schicksal selbst in die Hand nehmen!“, hatte ich meinen Vater angeschrien, als er mich zum dritten Mal aufforderte, meine Robe für die Zeremonie anzuziehen und mich danach unverzüglich in das Zimmer der Geister zu begeben, dorthin, wo der erste Dämon sich das erste und einzige Mal dem neuen Erwachsenen offenbarte.
Auch mein Vater schrie und knallte mir die Tür vor der Nase zu. Ich gab auf, denn mit Reden würde ich hier nicht mehr weiter kommen. Von der Toilette aus, zog ich mich zum offenen Fenster hinauf. Von dort aus sprang ich auf das Garagendach und von dort aus über die angelehnte Leiter auf die Straße. Dann begann ich zu rennen. So schnell wie mich meine Füße trugen, rannte ich vor meinem zukünftigen Leben davon.

Irgendwo zischte etwas – dann ein Knall.
Nicht mehr lange und das neue Jahr würde beginnen.
Was würde geschehen, jetzt, da ich dem Dämon nicht ins Gesicht sehen würde?

Ein Lufthauch riss mich aus meinen Gedanken. Ich schreckte auf und kam auf die Beine. Sah mich um, doch da war niemand.
Wieder.
Eine sachte Windböe fuhr mir durch die dunkelblonden Locken, die ich mir nicht, wie im Protokoll stand, zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte.
„Wer ist da?“
Auf einmal war da ein Geräusch. Ein Ton, den ich zuvor noch nie gehört hatte. Es raschelte und surrte - leise, doch so intensiv, dass ich es mir nicht einbilden konnte.
„Hallo?“
Dann drehte ich mich um und stand direkt vor ihm.
Eine bläulich, violetter Schatten, der entfernt an die Umrisse eines Menschen erinnerte.
Ich musste nicht nachdenken, ich musste mir nichts vormachen; ich war vor dem Geist des ersten Jahres davongelaufen und er hatte mich gefunden.
So standen wir uns geschlagene Sekunden gegenüber.
Der Dämon und der Junge, der keine Lust hatte, erwachsen zu werden. Ich musste unwillkürlich an Peter Pan und seinen Schatten denken. Tief atmete ich ein, räusperte mich, fasste mir Mut.
„Also braucht es kein Geisterzimmer, um euch zu treffen? Und auch keine Robe.“
Der türkisfarbene Schatten schüttelte das, was ich als Kopf identifizierte.
Ich wusste, ich hatte verloren. Aus meiner Hosentasche kramte ich den Wunschzettel oder eher gesagt, die aufgeschriebenen Lebenspläne meines Vaters heraus und übergab sie dem Geist. Er nahm den Zettel entgegen und tat dann etwas, worauf ich nicht gefasst war: Er trat an meine Seite, lehnte sich an die Wand und ließ sich langsam daran hinabgleiten. Seine Arme stützte er auf die Knie und bettete seinen Kopf in die unförmigen Hände.
So überrascht ich auch war, ich tat es ihm gleich. Setzte mich neben ihn.
„Was ist los?“, fragte ich, als ob er mein bester Freund wäre, der dort sitzen und Trübsal blasen würde. Da hob er seine Hand und gab mir den Wunschzettel zurück.
„Sind das deine Lebensziele?“, fragte der Dämon mich.
Seine Stimme klang blechern. Ich hatte etwas Engelhafteres erwartet.
Ich faltete den Zettel auseinander und blickte auf meine Schrift, nicht auf meine Wünsche, dann schüttelte ich den Kopf.
„Immer das gleiche!“, sagte das Wesen an meiner Seite. „Weißt du, Elian, so ist doch dein Name, oder?“
Ich nickte erneut.
„Elian. Ich habe keine Lust mehr auf diese Arbeit hier. Immer wieder soll ich mich mit dem Schicksal junger Leute herumärgern, damit es wenigstens in die Richtung geht, die auf diesen vermaledeiten Zetteln steht, die in den seltensten Fällen von den neuen Erwachsenen selbst geschrieben wurden. Und ich sag dir, Elian, das Schicksal ist manchmal echt hartnäckig und nicht gut auf die Geister der Erdjahre zu sprechen.“
„Okay“, ist alles was ich herausbringe.
„Pass auf, Eli! Ich habe dich beobachtet und ich denke, mit dir kann ich es endlich wagen.“
„Mit mir? Wovon redest du?“
„Die Welt der Menschen ist im Wandel und die Zeit der Dämonen auch. Es gibt so viel zu tun für uns Geistererscheinungen. Ich kann so viel machen. Ich möchte so vieles ausprobieren und genau deswegen möchte ich mich von dir trennen, bevor wir uns zusammentun.“
Mein Herz raste. Was redete dieses Wesen da nur? Tranken Dämonen Alkohol?
Draußen knallte es in regelmäßigen Abständen. Zischend stiegen Raketen auf, deren sprühende Funken ich im Augenwinkel erahnte.
„Ich höre auf!“, beschloss der Dämon.
„Moment mal. Heißt das, du willst mir nicht helfen durch die Jahre zu kommen und das Schicksal lenken? Das heißt doch aber auch, wenn du damit nicht anfängst, werden die nächsten Jahresgeister mich nicht finden.“
„Richtig!“
„Aber, das kannst du doch nicht bringen?“
„Warum nicht? Ist dein Bedürfnis nach Dämonen die dich leiten, nicht auch sehr begrenzt?“
„Ich ... Ja, aber ...“
„Ich weiß. Das ist jetzt etwas ganz Neues, aber das bekommst du schon hin. Elian, der Leuchtende, das bedeutet dein Name, wusstest du das?“
Ich nickte.
„Also, was ist? Bist du mutig genug dein Leben, dein Schicksal, selbst in die Hand zu nehmen? Das aus deinem Leben zu machen, was du dir vorstellst?“
„Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“
„Das wissen auch die Dämonen nicht. Das Schicksal kann störrisch sein, glaub mir. Also, was ist?“
Da saß ich nun, an der Wand einer alten Fabrik gelehnt, neben mir mein Jahresgeist, der mir gerade offenbart hatte, keine Lust mehr zu haben, dass Schicksal anderer zu lenken. Er gab mir die Möglichkeit, die ich in den letzten Jahren niemals für möglich gehalten hatte.
Ich zog aus meiner Jackentasche meine Zigarettenschachtel, nahm das Feuerzeug heraus und zerknüllte mit der anderen Hand die Packung mit den unverbrauchten Glimmstängeln darin. Dann hob ich den Wunschzettel hoch und zündete ihn an. Der Geist und ich sahen zu, wie sich das Papier auf dem Boden vor unseren Füßen in Asche wandelte.
Da stand der Geist auf und stellte sich vor mich. Und während seine hellblaue Silhouette sich auflöste, hörte ich seine blecherne Stimme durch den Flur hallen:
„Nimm dein Leben selbst in die Hand und mach dem Schicksal `ne Ansage. Du bist ihm nicht ausgeliefert! Viel Glück, Kumpel! Du rockst das!“

Noch einmal spürte ich diesen feinen Hauch in meinem Haar, dann war ich alleine. Ich kniete mich vor den winzigen Aschehaufen und wischte ihn mit der Handfläche glatt. Dann trat ich hinaus in die Neujahrsnacht, wo mich die letzte Silvesterrakete mit einem Goldregen willkommen hieß.


© Stefanie Bender, Januar 2020




Samstag, 30. November 2019

Auf zum Jahrmarkt der Mysterien!



Hurra, eine neue Federspur.
Ab morgen könnt ihr endlich wieder eine neue Geschichte von mir lesen und zwar in dieser tollen Anthologie "Jahrmarkt der Mysterien" des Burgenweltverlags. Geht auf eine gruselige Zeitreise und lernt Barladur, meinen düsteren Schausteller kennen!

"In tiefer Nacht, nimm dich in Acht
Vorm Jahrmarkt der Mysterien!"

Jahrmärkte, Festivitäten und die bizarren Künste der Schausteller sorgten einst in mittelalterlichen Städten und Dörfern, beim Adel wie beim gemeinen Volk, für willkommene Abwechslung. Sie boten Erheiterung, Nervenkitzel und morbide Faszination zugleich. Doch hinter den bunten Kulissen warteten bisweilen wahre Abgründe auf die Schaulustigen. Wahrsager und Bänkelsänger zogen die Menschen in ihren Bann. Dunkle Magier und Alchemisten hegten nicht immer gute Absichten.

16 Autorinnen und Autoren tauchen unter der Regie von Herausgeber Detlef Klewer ein in diesen Kosmos aus Gauklern und Monstrositäten, zeigen Licht, aber noch viel mehr Schatten, blicken hinter den Vorhang: Eine schillernde und fremdartige Welt erwartet Sie auf diesem »Jahrmarkt der Mysterien« ...