Dienstag, 21. Juni 2011

Gedankensplitter in der S-Bahn


05:25 Uhr, der Wecker gibt diesen abscheulichen Laut von sich, um mich aus dem Traumland zu entführen. »Guten Morgen!«, scheint er mir beinahe euphorisch entgegen zu brüllen. Wecker müsste man sein. Jederzeit einsatzbereit, immer gut drauf ohne jegliche Stimmungsschwankungen. Nur die Batterie ist ab und an zu wechseln. Würde ich auch gerne machen: Batteriewechsel.

Der Weg Richtung Großstadt-Büroakrobatik bietet ein wenig Platz zum Gedankenjonglieren. Den Buchwälzer auf meinem Schoß schlage ich zu, die Konzentration für die winzigen Buchstaben hat mich bereits an der letzten Station verlassen. So ergebe ich mich den zuckenden Kreativblitzen in meinem Kopf.  Häuser ziehen an mir vorbei und ich stelle mir vor, wie unzählige kleine Elfen ihren Unfug treiben, heimlich hinter unseren blinden Augen. So entstand die Idee für eine Ausschreibung des Schwabbauer-Verlags »Wir sind unter euch«.  Die Häuser verschwinden in der Ferne und wir fahren entlang eines Waldstücks. Düster sieht er um diese Uhrzeit aus und der Nebel schenkt ihm einen Hauch Mystik. Zwischen all den Nadelbäumen sehe ich Fleur, ein blasses Mädchen, wie es um ihr Leben rennt, der gestohlene Schatz fest an ihre Brust gedrückt. Wieder eine Idee, wieder ein Wettbewerb »Nur eine Stunde« (Candela Verlag). Die Feen sind längst außer Sichtweite, den Wald habe ich hinter mir gelassen und ich nähere mich dem dunklen Tunnel der Großstadt. Er verschluckt mich, bevor er mich im stickigen Untergrund ausspuckt, als wäre ich ungenießbar. Menschenmengen, Hektik, Alltagswirrwarr. Ich flüchte hin zu meinen Engeln. Spinne etwas am fünften Kapitel rum und während ich mir Porta Dastan mit ausgebreiteten Flügeln vorstelle, bin ich bereits im Büro angekommen und starte den PC.

Welcome Back to Reality
 

Kommentare:

  1. Wow - was für eine fantastische Beschreibung einer öden S-Bahnfahrt! Du bist echt eine begnadete Schreibern... ;-)

    LG
    Sanne

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  2. Für die Beschreibung simpler Gedankensplitter hast du das wirklich schön beschrieben :) Sollte ich mir ein Beispile nehmen, denn diesen S-Bahn-Zustand, an dem die Konzentration zum Lesen fehlt, kenne ich sehr gut.
    Allerdings habe ich nie so viele Wettbewerbsideen :) Ich hoffe, du schaffst es auch, alle umzusetzten.

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